(10) Caprivi Streifen Teil 2 | Bwabwata National Park & Kwando River

Über unsere letzten beiden Nächte in Namibia, die letzten zwei Tage Wildnis, eine riesige Büffelherde und darüber wie es sich anfühlt, wenn ungefähr 150 Elefanten vor dir durch einen Fluss schwimmen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Übernachtung:
    > 2 Nächte in der Namushasha River Lodge (Camp) für ca. 35 € pro Nacht
  • zurückgelegte Strecke:
    > von Shametu bis zur Namushasha River Lodge ca. 232 km (reine Fahrtzeit 2:30 Stunden)
  • Things-to-do:
    > Bwabwata Game Drive Safari zum Horshoe Bend

Tag 16: Wenn die Safari direkt ins Camp kommt

Nachdem wir Shametu heute Morgen nach diesen unglaublichen Eindrücken verlassen haben, bahnen wir uns nun unseren Weg den Caprivi-Streifen und viele weitere Strohhütten entlang in Richtung Kwando River. Die Namushasha Lodge in Kongola ist unser Ziel. Nach einer kurzen, leider sehr unfreundlichen Einweisung an der Rezeption werden wir auf Campsite 6, wieder die letzte mit Grenzzaun ins Gestrüpp und direkt am Flussufer liegend, von drei riesigen Ochsen empfangen. Die scheint es nicht zu stören, dass wir mit unserem Camper gerade inmitten ihrer Grasfläche geparkt haben und futtern fleißig weiter. Hilfe, diese Hörner sind größer als die Spannweite meiner Arme. Vorsichtig und langsam steigen wir aus, als Toyano herangeeilt kommt. Er ist der Campsite-Wächter und verjagt das Vieh mit Holzästen, das er mit voller Wucht auf sie wirft – Namibian Style. Naja, wirklich tierlieb war es wohl nicht, aber uns ist geholfen und Toyano ist wirklich super freundlich. Bislang die einzige Freundlichkeit auf dieser Lodge, von deren Service wir enttäuscht sind. Komm schon Namibia, es sind unsere letzten beiden Nächte hier, streng dich ein bisschen an!

Sambesi River Namushasha
Der Kwando River: Direkt hier liegt die Campsite der Namushasha River Lodge.

Auf der Campsite steht nicht nur ein großes Schild mit „Hippo-Highway“ sondern auch ein Warnschild vor Elefanten. Die riesigen Köttel auf dem Boden lassen drauf schließen, dass was dran sein muss. Der Trampelpfad mit großen runden Pfotenspuren zum Fluss hinunter läuft direkt auf unser Nachtlager zu; Toyano winkt ab: „Ach, Hippos kommen selten hier hoch, wenn dann nuuur zum Grasen, eine Elefantenroute geht zwar hier lang, aber die bleiben meistens nicht stehen. Da braucht ihr keine Angst zu haben. Vorsicht ist nur vor den Affen geboten. Die sind hier so frech, dreist und zudem klug, dass sie nicht nur alles stibitzen, was nicht niet- und nagelfest ist, sie schaffen es auch, ein Auto aufzumachen. Also immer schön aufpassen und abschließen!“ Na herrlich, das werden ja zwei spannende letzte Nächste in der Wildnis!

Hippo Highway direkt durch die Campsite
Hippo Highway direkt durch die Campsite
Hippo Highway Elefanten Camp
Und so sieht er aus: der Hippo Highway, der auch für Elefanten genutzt wird und direkt durch’s Camp führt.
Namushasha River Lodge Camp Erfahrung
Campsite 6 der Namushasha River Lodge

Am Nachmittag versuchen wir an der Rezeption herauszufinden, ob wir einen Game Drive in den Mudumu National Park machen können, über den wir viel Gutes gelesen haben. Von hier aus wird jedoch nur der Bwabwata angefahren. Über das schlechte WLAN betreiben wir bzw. Manu tiefgreifenden „Reschurrsche“, wie wir es liebevoll getauft haben. Ich hätte ja einfach klein beigegeben und den verfügbaren Game Drive gebucht, aber Manu hat eine elendige Geduld, das ganze Internet leer zu recherchieren. Dieses Mal leider mit dem ernüchternden Ergebnis, dass eine Self-Drive-Safari im Mudumu absolut nicht empfehlenswert ist, denn es gibt nur wenige Informationen über die Routen und man liest viel über schlechte Straßenbedingungen. Ich sehe in seinen Augen, dass ihn ein letztes Abenteuer reizt, bin aber froh, dass er zugibt, dass es nach alldem, was wir bisher schon gesehen haben, ein unnötiges Risiko wäre. Stattdessen buchen wir also den Game Drive mit der Lodge in den Bwabwata National Park.

Zu unserem Resteverwertungsdinner sind unsere Antennen auf Halbacht-Stellung, wir erwarten die halbe Tierwelt Afrikas zum Abendessen. Zur Sicherheit bzw. wohl eher zur Beruhigung zische ich mir erstmal zwei Gin Tonics rein. Passt perfekt zu unseren Nudeln mit Linseneintopf von Erasco (den wir tatsächlich hier in Namibia gekauft haben und heute zum Campdinner erkoren haben). Und dient der Malaria Prophylaxe sowieso. Als die Dunkelheit Überhand nimmt, klettern wir in unser Zelt, tierischen Besuch hatten wir keinen mehr. Wie unsere Schlafsäcke mittlerweile riechen, erwähne ich lieber nicht, aber wir schwitzen bei 38 Grad im Dampf der Anti-Moskito-Sprays. Augen und Nase zu und durch! Gute Nacht, Wildnis! Zum Raunen der Hippos in der Ferne schlafen wir ein.

Camp Dinner
Ein typisches Camp-Dinner in Namibia: Linsen, Nudeln und Gin Tonic 🙂

Tag 17: Inmitten einer riesigen Elefantenherde

Was für eine Nacht! Gefühlt bin ich bei jedem Muchs aufgewacht, habe also wenig bis gar nicht geschlafen. Der Sound von gefühlt 1000 verschiedenen (Nacht-) Vögeln in allen Tonlagen, Grillen, Affen und dem wirklich sehr nahen Hippo war wohl die Krönung der bisherigen namibischen nächtlichen Geräuschkulisse. Wirklich endgültig aufgeschreckt bin ich dann aber gegen 5:30 Uhr, als ich in der Morgendämmerung die Tür unseres kleinen Waschhäuschens knarzen höre und im Licht der aufgehenden Sonne eine Blondine im pinken Fleecepulli, mit Handtuch und Kulturbeutel bewaffnet, weglaufen sehe. Ich fasse es nicht! Die gehört garantiert zu dieser Gruppenreise zwei Campsites weiter vorne. Mittlerweile ist auch Manu wach und lacht mich aus. Ja, ich gebe es zu, ich bin bereit für Luxus, oder zumindest ein richtiges Dach über dem Kopf mit Tür zum Abschließen. Unser Frühstück mit dem letzten Oatmeal und Kaffee ohne Milch lässt die Vorfreude auf die nächsten Tage in den Lodges zudem steigen. Im Hintergrund grunzt noch immer das Hippo. Dafür, dass es so laut war, hätte es sich ja wenigstens einmal zeigen können. Tagsüber zumindest. Wenn man abends mit nichts als dem Licht einer Kerze die Dunkelheit beobachtet und das laute Grunzen zu orten versucht, das mal aus der einen und dann wieder aus der anderen Ecke oder direkt von geradeaus kommt, wird einem schon anders. Da überlegt man sich gerne, wohin man im Zweifel schnell flüchten kann; ins Zelt, ins Auto oder doch lieber ins Waschhäuschen?

Das frühe Aufstehen beginnt uns zu gefallen, um kurz vor 9 liegen wir am Pool. Ich frage an der Rezeption zweimal nach Handtüchern, was letztlich ca. 45 Minuten dauert. Und dann sind es statt der angefragten fünf nur vier Stück. (Mit uns lagen noch drei Norweger am Pool.) Ach, Afrika, manchmal bist du einfach wundervoll unzuverlässig. Insgesamt ist diese Lodge -Toyano ausgenommen- leider die schlechteste Service-Erfahrung unserer ganzen Reise. Hier fehlt es an Motivation, Engagement und einem netten Lächeln. Schade eigentlich, die Lage hier am Kwando ist nämlich wirklich herrlich!

Über unsere verschiedenen Erlebnisse und vergangene Reisen kommen wir mit den Norwegern ins Gespräch. Sie sind zwei Pärchen, teilweise bereits im Ruhestand, und kennen sich nun seit 20 Jahren. Seither bereisen sie gemeinsam die Welt. Gefühlt waren sie schon überall, also wirklich überall! Als sie uns fragen, wo es uns schon hinverschlagen hat und wir aufzählen, fühlen wir uns plötzlich ganz klein. Andererseits ist es ein unglaublich tolles Gefühl zu wissen, dass es noch so viel gibt, das vor uns liegt und auf uns wartet: eine große, weite Welt voller Abenteuer! Wir fragen sie nach ihrem ultimativen Travel-Tipp:

Immer mit dem Leitungswasser Zähne putzen, das immunisiert den Körper gegen böse Reise-Bakterien. Klingt klug, aber jetzt ist es für diese Reise wohl eher zu spät dafür. Wenn wir uns trauen, werden wir es im nächsten exotischen Land vielleicht mal ausprobieren.

Bwabwata National Park

Den gebuchten Game Drive in den Bwabwata National Park am Nachmittag starten wir mit einer kurzen Bootsfahrt über den Kwandoans andere Ufer, bevor es per 4×4 Jeep durch diese grüne Vegetation am Flussufer entlang geht. Besonders beeindruckend ist eine riesige Büffelherde, die unseren Weg kreuzt. Staub wird aufgewirbelt und die Stimmung ist mystisch, wenn sich knapp 50 solcher Kolosse in Bewegung setzen.

Fluss Safari Sambesi River
Die Safari beginnt auf dem Kwando Fluss. Per Boot geht’s auf die andere Seite zum Bwabwata National Park.
Alligator Sambesi River
Die erste tierische Begegnung gleich auf dem Wasser: ein Kwando Krokodil.
Büffel Caprivi Streifen
Und die nächste an Land: Wenn sich das erste Tier einer Büffelherde in Bewegung setzt…
Büffel im Bwabwata National Park
Willkommen im Bwabwata National Park
Büffelherde Caprivi Namibia
Wenn sich die Herde in Bewegung setzt…
Büffel Namibia
…sollte man schleunigst „Land“ gewinnen.
Antilope Caprivi
Auch Antilopen lassen sich blicken.
Wasserantilopen Namibia
…wie auch die seltenen Wasserantilopen, die hier im Caprivi-Streifen zuhause sind.
Baboons Caprivi Streifen
Und die am Campingplatz so „gefürchteten“ Baboons-Affen.

Am berühmten Horeshoe Bend, wo sich der Blick auf den großen Kwandoöffnet, trinken wir einen Sundowner und genießen die Snacks aus der Lodge. Plötzlich werden wir ermahnt, still zu sein. Ca. 500 Meter weiter traben Elefantenherden aus dem Gestrüpp – erst 30, 50, dann 100 bis 150 Tiere! Es nimmt kein Ende! Sie trinken, baden, tröten und schwimmen auf die andere Seite des Flusses. Wir könnten ewig hier sitzen – dieser Moment ist magisch.

Horshoe Bend Bwabwata
Ein typischer Sundowner am Horshoe Bend mit elefantastischem Besuch.
riesige Elefantenherde im Bwabwata National Park
…und es werden immer mehr!
Elefanten durchqueren Sambesi
Zum ersten Mal sehen wir schwimmende Elefanten und verstehen, was es mit dem Rüssel an einem Offroad-Auto wirklich auf sich hat.
Caprivi Streifen Namibia Tierbeobachtung
Ein bisschen näher dran: der Horshoebend und seine Elefanten
Elefanten Familie Namibia
Groß und Klein erobern den Kwando Fluss.
Giraffe im Caprivi Streifen
Auf dem Rückweg treffen wir auch noch dieses wunderbare Exemplar einer ahnmutigen Giraffe.

Leider zwingt uns die Zeit zum Umkehren, auch hier wird der Park um 18 Uhr geschlossen und auch für die Ranger gelten die gleichen Regeln: kein Aufenthalt innerhalb des Parks nach Sonnenuntergang. Als wir per Boot zurück zur Lodge schippern, taucht im Abendsonnenlicht vor uns ein Nilpferd ab. Da war es dann doch noch – wenn auch nur ganz kurz – hören werden wir es heute Nacht noch ein paar Mal.

Sambesi River Namibia
Für das Nilpferd waren wir mit der Kamera leider zu langsam, aber der Kwando macht sich im Abendlicht auch ohne Tiere nicht schlecht, oder?
Sambesi River Namushasha Lodge
Blick vom Ufer der Namushasha Lodge.

Heute Abend landen wir wohl einen neuen Rekord: Als wir brotfertig im Dachzelt auf die Uhr schauen, müssen wir laut lachen: es ist 20:10 Uhr und wir sagen ‚Gute Nacht, Namibia!‘

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