(12) Wild Wild West – das historische alte Kanada

Das echte kanadische Hinterland, herzliche und offene Menschen, seltsame Vögel im Wilden Westen Westkanadas – vom Fishing Highway über das Cariboo Country bis nach Whistler.

Tag 16: Der wilde Westen und seine komischen Vögel

Unglaublich, aber wir wachen schon wieder an niederprasselnden Regentropfen auf. Dass wir direkten Seeblick haben, macht es heute ein bisschen weniger schlimm. Zum Frühstück gibt’s Cinnamon Buns mit Frosting, (für mich ekelhaft, für Manu genau richtig) süß, aber leider nur im 8-er Pack erhältlich. Manu alleine acht solche Rollen essen zu lassen, wäre wahrscheinlich möglich aber fahrlässig gewesen, nach zwei Stück habe ich dann aber kapituliert…
Entlang des Highway 24, dem Fishing Highway, hangeln wir uns dem guten Wetter entgegen Richtung Cariboo Country, dem alten historischen Westkanada. Gefühlt sind wir auch heute die Einzigen auf der Straße – wir, die Berge, Seen und die Rinder und Pferde auf den Weiden. Hier heißt wirklich jedes Haus (wenn es davon auch nicht sehr viele gibt in dieser Gegend) „Ranch“. Einsamkeit, Wildnis, Natur, der nächste Nachbar Kilometer entfernt.

Am Green Lake, der mit seinem schwarzen Sand wirklich grün ist, legen wir eine kleine Pause ein. Der Green Lake ist kein Gletscher- oder Bergsee und ist damit warm genug, um darin baden zu gehen. Eigentlich – wenn die Lufttemperatur einen tick wärmer wäre. Bleiben lohnt sich also nicht wirklich für uns. Oder doch? Die Park Rangerin hängt gerade ein Schild auf: „Caution: Bear in Area“. „Be careful guys, there’s a black bear sneaking round here.” Der Puls steigt, das Herz klopft, noch ein Bär? Doch die Vernunft siegt und wir fahren weiter in Richtung Lilloet.

Green Lake am Fishing Highway
Grünes Wasser, schwarzer Sand

Die Landschaft wird kahler, trockener und Salbeibüsche prägen das Bild. Das ist der Wilde Westen im kanadischen Hinterland. Wir passieren die historischen Orte entlang der Goldroute von 1860. In Clinton ist die Zeit stehen geblieben. Die Main Street sieht aus wie aus einem Western. In der ehemaligen Trading Post, die mittlerweile zum Trödel-/Antiquitätenladen umfunktioniert wurde, lernen wir beim Stöbern durch die historischen Schätze die netten Besitzer kennen. Ich könnte den halben Laden kaufen, aber leider (im Nachhinein wahrscheinlich Gott sei Dank!) haben wir ja nur begrenztes Gepäck. Der Verkäufer schenkt mir (aus Mitleid?!) eine Kanada-Brosche, die ab sofort an meiner Brust hängt. Ach, ich liebe die Kanadier! Jetzt ist es auch gar nicht mehr schlimm, dass wir den Besuch der historischen Hat Creek Ranch abbrechen müssen, weil über uns mal wieder ein Wolkenbruch vom Himmel kommt. Haben dafür im Gegenzug nämlich das echte Cariboo-Goldrouten-Canada und seine Menschen kennengelernt.

Wild West Kanada Cariboo Country
Der Wilde Westen Kanadas: Cariboo Country
Cariboo Country
Einsamkeit und die Natur
Zug in Kanada
Transport muss sich lohnen – ein kleiner Güterzug irgendwo im Nirgendwo
History Canada Cariboo
Wo die Zeit still steht… und die Vergangenheit in der Gegenwart lebt.
Cariboo
Come in – we’re open!
Clinton Cariboo
Service is our business
Clinton
Willkommen in Clinton

Clinton B.C. Canada

Clinton B.C. Canada Goldroute
Vom Postladen zur Antiquitäten-Schatzkammer: The North Road Trading Post

Oldtimer in Canada

Lilloet hat einen hässlich braunen Fluss und ist wenig attraktiv. Außer, dass es für die wenigsten Regentage und meisten Sonnenstunden in Kanada bekannt ist. Lilloet, wir nehmen die Herausforderung an und bleiben! Hier gibt es vom Stromversorger gesponsert auf einem Indianer-Reservat einen gratis Campground – direkt am See bzw. Fluss Seton, welcher entgegen unserer Erwartungen nicht kackbraun sondern eisblau ist – wow! Auf der Suche nach Firewood lernen wir vier Rentner kennen, die hier ihren Jahresurlaub verbringen. Zwei davon sind 1958 aus Deutschland ausgewandert und freuen sich über Besuch aus ihrer Heimat. Sie schenken uns ihr Holz, denn das offizielle Firewood ist eingesperrt hinter einem Bauzaun und vom diensthabenden Campground-Ranger keine Spur. Yay, zum ersten Mal grillen wir heute so früh, dass wir bei Tageslicht essen. Außerdem ist es tatsächlich so warm, dass wir in kurzer Hose draußen sitzen können. Premiere! Es gibt Wraps mit Chicken, grünen Spargel und eine Flasche Riesling von der einzigen Winery im Ort (Fort Berens Estate), bei der wir natürlich heute Nachmittag ein Tasting gemacht haben. Als wir beim zweiten Gläschen Wein und vollgefressen am Tisch sitzen, spüre ich Regentropfen. Verdutzt schauen wir nach oben in einen wolkenlosen, blauen Himmel. Sag mal, willst du uns verarschen Petrus, oder sind wir jetzt schön völlig gestört? „Schenk mal noch ein Glas Wein ein, Schatz! Bei mir piept’s wohl!“ Piepsen tut es tatsächlich. Denn in den Bäumen am Flussufer direkt vor uns nistet eine Eulen-Familie. Und während wir unsere Marshmallows im Feuer rösten, spielen sie uns ein Nachtkonzert. Der Himmel bleibt trocken.

Fort Berens Estate Vinery Lilloet
Fort Berens Estate Vinery Lilloet
Lilloet River
Lilloet River
Lilloet Mountain
Mit etwas Glück sieht man hier Bergziegen und außergewöhnliche Vogelarten.
Free Camping Lilloet
Summer Camping in Lilloet

Tag 17: Bei uns piept’s wohl!

Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein! Ihr werdet lachen, dass wir jeden Tag mit einem Update zum Wetter beginnen, aber ganz ehrlich: es ist tatsächlich etwas ganz Besonderes bei dieser Reise. Heute lacht nämlich die Sonne. Und mein Herz! Wir frühstücken draußen mit Rührei und Bacon vom Firepit. Yummi! Wieder hören wir ein komisches Pfeifen, heute klingt es aber eher wie Tetris auf dem Gameboy. Ein Pika ist es auf jeden Fall nicht, die Eulen auch nicht. Das Ehepaar nebenan stürmt aus seinem Wohnwagen, mit im Schlepptau eine riesige Riesenkamera und eine Auswahl an Ferngläsern, dass einem der Augapfel knallt. Vogelbeobachter! Hierfür soll die Gegend ein echter Geheimtipp sein. Aber was für ein Vogel ist das? Der Tetris-Vogel? Wir schlendern den Trail am Fluss entlang, auf den Spuren der Goldsucher und umgeben von riesigen Schmetterlingen und dem dubiosen Vogel (oder ist es vielleicht eine Fledermaus am hellichten Tag?).

Lilloet River free camping
Lilloet River

Als wir uns von unseren Feuerholz-Spendern verabschieden wollen, sind die Urlauber ausgeflogen. Wir hinterlassen ihnen mit Maggi Fix für Wiener Schnitzel und Spargelcremesuppe deutsche Grüße und machen uns nach einem kurzen Stopp am Seton Lake über die Goldrush-Route und die Coast Mountains auf den Weg nach Whistler. Kurz darauf steht ein junger Hirsch am Straßenrand – am hellichten Tag und starrt uns mindestens genauso blöd an, wie wir ihn. Die Strecke ist geprägt von vielen Höhenmetern, Temperaturschwankungen von 26 bis 8 Grad, tiefen Schluchten, viel Wald und einem Gebirgsbach, dem Cayoosh.

Seton Lake B.C. Lilloet
Seton Lake
Junger Hirsch Kanada
Hello Deer!

Hirsch Kanada

Auf der Goldroute Richtung Whistler
Auf der Goldroute Richtung Whistler
Lilloet nach Whistler
Tiefe Schluchten, hohe Berge, grüne Wälder – British Columbia
Flowers British Columbia
…make a wish!

Wir stoppen erst endgültig in Whistler. Doch der Campground in Whistler ist heute overbooked, daher buchen wir für morgen die letzte Site und dürfen zumindest schon heute unsern Siggi dumpen. Denn zum ersten Mal auf dieser Reise ist unser black water tank komplett voll. Wer in den Sommermonaten (Juli & August) durch Kanada reisen will, muss wirklich die ganze Reise vorbuchen (Tipps zur richtigen Reisezeit gibt’s >hier!). Wir sind froh, dass wir die Hauptreisezeit nur noch „streifen“ an unseren letzten Tagen. Wir lieben die Spontaneität und Flexibilität, die einem unser Wohnmobil bietet und der Gedanke, dort anhalten und Wurzeln schlagen zu können, wo es uns gefällt. Frischwasser auch noch aufgefüllt, fahren wir zurück zum Nairns Provincial Park. Back to the roots, zurück in die Wildnis, vielleicht war es auch ein Zeichen der Natur; wir sind noch nicht reif für die Stadt! Die kurze Abendwanderung zu den Nairns Falls geht am Fluss entlang und lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn man schon viele Wasserfälle gesehen hat. Heute Abend gibt es nochmal Stockbrot und Salsiccia vom Feuer. Während das über der Glut vor sich hin backt, werden wir von einer netten, einheimischen Mutti um einen Flaschenöffner angehauen. Sie campt hier mit ihrer Familie und Freunden, weil sie morgen ein Fußball-Turnier in Pemberton haben und einen Zwischenstopp mit Mini-Abenteuer auf halber Strecke einlegen. Kanadischer Lifestyle! Sie gibt uns viele tolle Tipps für Whistler und im Gegenzug bieten wir ihr ein echtes deutsches Stockbrot zum Probieren an. Vor lauter Entzücken über diese ehrliche Freundlichkeit der Kanadier habe ich ihr dummerweise das Stockbrot samt Stock mitgegeben. No more Stockbrot for me, tonight? Na klar, Ranger Manu bastelt schon einen neuen Grillstecken für mich – aus einem komischen Schimmelpilz-Haare-All-In-One-Stock. Äh, wenn ich nach dem nächsten Grillen mit Schaum im Mund umfalle, dann wissen wir Bescheid. „Schatz, du alter Hypochonder, ich weiß schon, was ich tu, ich hab doch als Kind immer MacGywer geschaut.“ „Und ich Disney, aber deshalb bin ich auch noch lang keine Prinzessin! Sag mal, sitz ich zu nah am Feuer?“ – „Das merkst du bald, wenn du brennst.“-„Ah, ok, danke.“

Das ist die Wildnis. Das ist Kanada: sich einfach wieder auf das Wesentliche zu besinnen!

Wandern im Nairns Provincial Park
Abendwanderung im Nairns Provincial Park

Sk Touristik wandern Rucksack

Big Trees Canada
Big Girls – big Trees!
Nairn Falls Provincial Park
…and big mushrooms!

Wandern am Fluss entlang in Kanada Whistler

Wanderung Kanada Whistler
Happy Place: in der Natur am Fluss entlang
Nairn Falls Whistler
Ziel erreicht: die Nairn Falls
Stockbrot grillen
…und zum krönenden Abschluss noch ein Stockbrot!
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